5 Methoden zur Analyse deiner Triathlon-Saison

Die Saisonpause steht an und somit ist es Zeit für die Analyse deiner Triathlon-Saison. Lasse das Triathlon-Jahr Revue passieren. Diese 5 Methoden helfen dir dabei ein klareres Bild über die letzte Saison zu bekommen und die anstehenden Aufgaben zu definieren.

1. Die Soll-Ist Analyse

Als erste Methode zur Analyse deiner Triathlon-Saison ist ein Abgleich der Wünsche und Ziele für die vergangene Saison mit dem tatsächlichen Ergebnissen. Nimm dir deine Notizen aus dem letzten Jahr zur Hand auf denen die Ziele für die Saison stehen. Du hast so einen Zettel nicht? Dann bist du in eine der häufigsten Fallen getappt. Du hattest keine klar definierten Ziele.

Du hast solch einen Zettel? Umso besser. Gleiche nun ab ob du diese Ziele erreicht hast. Notiere in der Spalte daneben direkt was dazu beigetragen hat dass du dein Ziel erreicht oder eben nicht erreicht hast.

Der nächste Schritt…

Im nächsten Schritt schaust du welche Art von Begründungen du für deinen Erfolg oder Misserfolg angegeben hast. Ist es eine “externe” oder “interne” Urachenzuschreibung? Ein interner Faktor wäre wenn du sagst das du Magenprobleme hattest oder du einfach super schnell gelaufen bist und deine Pace halten konntest. Ein externer Faktor wäre schlechtes Wetter, eine Reifenpanne oder Co. Die Ursachenzuschreibung sagt viel über dich als Sportlerpersönlichkeit aus.

In einer vierten Spalte schreibst du nun noch die Lösung des möglichen Problems auf. Hattest du z.B. einen technischen Defekt und konntest das Rennen nicht beenden, weil du kein Ersatzmaterial dabei hattest, dann ist die Lösung mit dem Mitführen von Reparaturmaterial und einer vorherigen intensiven Prüfung deines Wettkampfrades noch recht einfach gefunden. In den “positive” Fällen, etwa das du mega schnell gelaufen bist und die Pace halten konntest, notierst du dir Faktoren die zu diesem Verlauf beigetragen haben. So besteht die Chance es durch Systematik reproduzierbar zu machen.

Möchtest du deine zusammengetragenen Informationen noch stärker analysieren? Ich helfe dir in Funktion als Coach gerne weiter.

2. Ergebnisorientierung der Triathlon-Saison

Im Mentaltraining lernst du das nicht die Platzierung zählt, sondern dein Ergebnis in Bezug auf deine Entwickung. Jedoch sind Wettkämpfe nunmal dafür da sich zu vergleichen und dabei ist deine Platzierung ein Faktor der dir bei deiner Analyse helfen kann.

Bei dieser Form der Analyse erstellst du eine Tabelle in der du deine Wettkampfplazierungen und deine Platzierungen in den Teildisziplinen aufstellst. Stellst du z.B. fest das du im Schwimmen immer einer der ersten drei Athleten bist, aber im Laufen immer eine Platzierung im hinteren Drittel hast, könnte dies Rückschlüsse darauf zulassen, das du eine Schwäche im Laufen hast. Achtung: Die Daten können leicht fehlinterpretiert werden. Vielleicht hast du dich auf dem Rad auch einfach so sehr verausgabt das die Laufleistung nicht mehr so stark ist, du aber ingesamt dennoch auf dem Treppchen landest, da du bei deinem Schwimmen und Radfahren einen Puffer herausfährst.

Nutze möglichst viele Ergebnisse

Umso mehr Wettkampfsergebnisse du in diese Tabelle mit aufnimmst, desto genauer werden die Ergebnisse mit denen du weiterarbeiten kannst. Dabei solltest du weitere Faktoren berücksichtigen und auch differenzieren:

  • Steckenlänge. Distanz. Sprint, olympisch, Mitteldistanz oder Langdistanz.
  • Streckenprofil: flach, hügelig, Berge.
  • Schwimmen: Becken, Freiwasser, Neo.
  • Sonstiges: Wetter. Besonderheiten der Strecke etc.

Möchtest du es etwas detaillierter haben dann kannst du auch noch einen Mittelwert aus den besten drei Zeiten je Disziplin oder aber von den Zeiten der Plätze 1-3. je Disziplin ausrechnen und deine Zeiten damit vergleichen. Hier kannst du %tuale Werte ermitteln und weißt dann wieviel % du in der jeweiligen Disziplin hinter den besten Athleten bist. Wieso ein Mittelwert? So kannst du Außreißer auffangen. Daher rate ich dir auch eher die Werte der Plätze 1. – 3. heranzuziehen und nicht die schnellsten Zeiten. Bei letzeren könnte es nämlich durchaus sein das der schnellste Schwimmer deutlich schneller ist als die Top 3 Platzierungen, aber den Rest des Wettkampfes einfach unterirdisch unterwegs ist.

So hast du die Möglichkeit nicht nur anhand deiner Platzierung Rückschlüsse auf deine Leistung zu ziehen, sondern du hast auch noch eine qualitativ hochwertigere Aussage wieviel % Leistungsunterschiede in der jweiligen Disziplin zu den Top 3 Athleten herschen. Achtung: Alle Daten sind immer mit Vorsicht zu genießen, da sich auch schnell falsche Rückschlüsse ziehen lassen können.

3. Die Entwicklungsorientierung

Mein Favorit ist die Entwicklungsorientierung. Diese legt den Fokus auf das Inner-Game. Dabei vergleichst du dich nicht mit anderen sondern nur mit dir selbst. Ein Beispiel wieso dies mein Favorit ist:

Im Jahr 2018 startest du bei einem Triathlon X und gewinnst. Im Folgejahr startest du beim selben Triathlon. Du schwimmst 30 Sek. schneller, du radelst sogar eine Minute schneller und hinten raus läufst du sogar nochmal 20 Sek. schneller als im Vorjahr. Leider landest du aber nur auf Platz 5. Da du im Vorjahr gewonnen hast, jetzt aber nur auf Platz 5 bist, verursacht das Ergebnis dir Bauchschmerzen. Du bist ja “schlechter” als im Vorjahr (Ergebnis im Bezug auf die Platzierung)?

Was ist geschehen? Nunja, du bist dieses Jahr nicht nur in einer anderen Altersklasse, sondern dieses Jahr war es ein besonderes Qualifikationsrennen, sodass sich viele andere starke Sportler ebenfalls angemeldet haben. Würdest du jetzt nur rein von deiner Platzierung ausgehen, würdest du auf jeden Fall sagen das du dich verschlechtert hast. Schauen wir uns aber einmal genauer deine Zeiten an, dann stellst du fest das du ja besser geworden bist und das Inner-Game auf jeden Fall gewonnen hast.

Bei dieser Form der Analyse ziehst du also deine Leistungsdaten aus der Vergangenheit heran und vergleichst diese mit deinen aktuellen Daten. Das können Wettkampfsergebnisse, aber auch Resultate aus Leistungsdiagnostiken sein. Nutze deine vorhandenen Daten und schaue wo du dich wie entwickelt hast. Zusammen mit den vorangehenden zwei Methoden bekommst du ein immer genaueres Bild über deine Entwicklung im Laufe deiner Triathlon-Saison sowie möglicher Stärken, Schwächen, möglicher “Baustellen” sowie deiner Leistungspotenziale. Diese Informationen kannst du für eine Triathlon-Saison-Swot Analyse nutzen.

4. Die Triathlon-Saison-Swot Analyse

StärkenSchwächen
Jetzt– Radfahren auf Strecken mit vielen Anstiegen
– Wettkämpfe bei Hitze
-Schwimmen im Freiwasser ohne Neopren (Angst)
– Läufe nach hinten raus konstant zu Ende zu bringen
– Nervosität vor dem Wettkampf sodass ich die Nacht vorher kaum schlafen kann
ChancenRisiken
Zukunft– Ein stabilerer Rumpf könnte zu einer saubereren Technik im Laufen führen
– Ein leichteres Rad hilft mir um auf Strecke X eine um ca. Y % besserer Zeit zu fahren
– durch mentale Wettkampfvorbereitung Nervosität in den Griff bekommt und ausgeruhter am Start stehen
– %tual große Verbesserung im Freiwasser möglich
– Verletzungsrisiko bei zu viel Lauftraining wegen meiner Achillessehne
– Erkältungen, da bei langen Schwimmtrainings Ohrenschmerzen auftauchen
– Zu viele Wettkämpfe bedeuten für mich große Leistungseinbußen
– Halte ich den Anschluss in der Trainingsgruppe nicht dann verliere ich meine Förderung

5. Das Trainingstagebuch

Ich bin mir sicher das du eine Dokumentation deines Trainings hast. Schaue dir diese einmal in Ruhe an und suche Auffälligkeiten. In welchen Phasen hat das Training sehr gut funktioniert, wo nicht so gut? Suche Ursachen und ziehe Rückschlüsse daraus. Einige Fragen die dir dabei helfen können:

  • Wann habe ich das Training ganz nach Plan umgesetzt? Woran hat es gelegen?
  • Welche Einheiten habe ich ausfallen lassen? Wieso? Erkenne ich hier ein Muster? (Z.B. Schwimmen fällt öfter aus, Schwimmen hat sich im Vergleich weniger entwickelnt etc.)
  • Wie sieht es mit Stabitraining, Streching und Regenerationsmaßnahmen aus?
  • Haben meine Taperingphasen funktioniert?
  • Wie habe ich es geschafft Leistungshöhepunkte zu setzen?
  • Mein Verhältnis von LIT zu HIT? Wie verteilt sich dieses auf die Phasen? Stimmt dies mit meinen Trainingszielen überein?
  • Welche Verletzungen, Krankheiten und Co. gabe es? Woran könnte es gelegen haben? Wie kann ich dies zukünftig vermeiden?

Nutze offene Fragen und formuliere positiv

Nutzt zur Analyse größtenteils offene Fragen “Wie, Was, Warum….” und arbeitet Lösungsorientiert. Deckt mögliche Probleme auf und definiert Lösungsansätze positiv. Ein ganz allgemeines Beispiel:

FALSCH: Ich kann nicht schwimmen weil meine Wasserlage schei.. ist.

Richtig: Ich kann mit einer Verbesserung der Wasserlage, durch regelmäßige Teilnahme am Techniktraining bei mir im Verein, meine Schwimmzeit deutlich verbessern.

Die genannten Methoden zur Analyse deiner Triathlon-Saison können in Abhängigkeit deiner Detailsverliebtheit schon sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Deswegen mein Tipp: Wähle dir deinen Favoriten heraus und fange mit der Analyse an. Es muss nicht perfekt sein. Mit deinem Bauchgefühl und den Erkenntnissen die du bereits in der Saison gesammelt hast wirst du größtenteils schon richtig liegen. Jetzt geht es darum dieses Bauchgefühl mit Zahlen, Daten und Fakten zu belegen oder zu wiederlegen. Du wirst mit Sicherheit einige Bestätigungen erhalten. Ebenso wirst du merken das einige Dinge bei weitem nicht so schlecht sind wie du dachtest und vielleicht auch das einige Dinge bei weitem nicht so gut waren wie du dachtest 🙂 Es geht möglichst wertneutral zu analysieren und somit Handlungsempfehlungen für dein zukünftiges Training abzuleiten.

Viel Spaß dabei!

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