Vorbereitung zum Rheinrekord 2017 im Kanu

Wie man auf die Idee kommt einen Mehrtagesweltrekord anzugehen und meine Vorbereitungen.

Ganz schön bescheuert muss man sein 6-einhalb Tage im Kanu “durchpaddeln” zu wollen. Wie man auf die Idee kommt und wie meine Vorbereitungen zum Rheinrekord 2017 im Kanu verlaufen sind erfahrt ihr hier.

Die Idee

Die Idee einen Weltrekord auf dem Rhein zu paddeln kam mir im Jahr 2010. Hier hat der Schweizer Corrado Filipponi den 21 Jahre bestehenden Weltrekord im Kajak für die schnellste Befahrung des Rhein von Chur bis Hoek van Holland gebrochen. Er ist den Rhein in 7 Tage, 10 Stunden und 16 Minuten gefahren. “Was eine Leistung und was für ein Erlebnis” dachte ich mir. Das wäre doch auch was für mich. Im Jahr 2013 wurde dieser Rekord nochmal gebrochen. Hier paddelte Martin Möllmann die selbe Strecke mit rund 1161 km in 6 Tagen, 12 Stunden und 55 Minuten. Das was nochmal fast einen ganzen Tag schneller und wurde bei einen recht förderlichen Wasserstand gefahren. Etwa 16 Stunden saß Martin täglich im Boot. Spätestens jetzt war klar das es alles andere als ein Zuckerschlecken werden kann.

Mein Idee daher, täglich so lang wie möglich paddeln. Nur mit >20 Std. täglich im Boot wäre dieser Rekord, mit viel Glück das die äußeren Bedingungen halbwegs mitspielen, zu schaffen. Zwischenzeitlich laß ich auch von anderen die versuchten den Rekord zu knacken und oftmals bereits nach 2-3 Tagen aufgegeben hatten. Dies ließ zumindest kurz den Gedanken zu ob der Rekord überhaupt noch zu knacken ist? Aber immerhin sind Rekorde da um gebrochen zu werden. Somit begannen im Jahr 2015 meine Vorbereitungen.

Die Vorbereitungen

Nachdem das Ziel gesetzt war musste das Training entsprechend angepasst werden. Ich mache schon immer recht viel Sport, war die Jahre davor aber nicht mehr im Leistungssport aktiv und beruflich stark eingebunden. Erst einmal besorgte ich mit ein schnelles “Wanderboot”, den Lettmann Speedliner. Immerhin das Rekordboot von 2013. Ich absolvierte viele Trainingseinheiten im Rennboot und Abfahrtsboot. Die längeren Trainingseinheiten fuhr ich dann im Speedliner. Zudem fuhr ich Rad, war ich Kraftraum und Laufen. Die Motivation war hoch und der Wille da, so konnte ich einige Partner von meinem Vorhaben überzeugen.

2015 fuhr ich zur Kanumesse um einige Hersteller persönlich kennen zu lernen und die Eckdaten ab zu stecken. Leider lief der Winter aber alles andere als gut. Ständige Erkältungen unterbrachen mein Training und warfen mich jedes Mal zurück. Da es im Sommer auch nicht besser wurde entschied ich mich den Rekord 2016 nicht an zu gehen. Es hatte einfach keinen Sinn. Stattdessen unetrwarf ich mich einer OP und ließ mir die Mandeln entfernen. Einige Wochen danach konnte ich langsam wieder das Training aufnehmen. Es lief sehr gut. Ich wurde im Winter 2016/2017 nicht mehr krank. Wenn dann hatte ich nur kleinere “Blessuren” die ein Training und das Leben so mit sich bringen. Das Ziel war nun also im Jahr 2017 den Rekord zu brechen.

Bei meinen längeren Fahrten merkte ich schnell das mit der Speedliner mit über 20 Kilogramm zu schwer ist. Dank des gewonnen Kooperationspartners CS Canoe ließ ich mir ein ultraleichtes Boot bauen. Ich verzichtete auf alles was Gewicht bringt und ließ nur das einbauen was dringend notwendig war. Das Boot kam somit auf gerade einmal 12/13 KG. Dazu war es sehr agil und sportlich zu fahren. In der Summe also das perfekte Boot für mein Vorhaben. Das nach dem Rekord für weitere Rekorde noch Anpassungen nötig werden ist verständlich. Alles kann man im Vorfeld nicht bedenken und testen. Außerdem sind die Bedürfnisse sehr individuell. Mit Koberpaddel und dem Lagoon als Ergonompaddel hatte ich das für mich perfekte Paddel bereits gefunden. Und Nookie unterstütze mich mit passender Kleidung. Die Eckdaten waren gesteckt.

Umso näher ich der Rekordfahrt kam, desto spezifischer wurden die Trainingsfahrten. Lange Fahrten, die Ernährung, Kleidung, Kommunikation und viele weitere Faktoren wurden optimiert. Die organisatorischen Dinge kosteten mehr Zeit als gedacht und auch die Streckenplanung war nicht ganz leicht. Letzten Endes musste alles sehr flexibel sein, sodass man Pausen, Übernachtungspunkte und vieles weitere immer erst am Tag bestimmt. Nur so was das Maximale heraus zu holen. Trainingsfahrten von 4-6 Stunden waren die Norm, oftmals ging es auch auf noch längere Fahrten zwischen 8-10 Stunden. Meine größte Sorge galt den Bändern und Sehnen. Die Muskeln passen sich recht schnell an, die Bänder und Sehnen jedoch nicht. Daher musste ich diese durch entsprechende Trainings auch fordern und an das Limit bringen.

Wenn man solch ein Vorhaben hat muss man jedoch auch mit unvorhersehbaren Ereignissen rechnen. Dies waren die Unsicherheits- oder Risikofaktoren. Von Unwettern, über körperliche Wehwehchen bis zu organisatorischen Problemen war mit allem zu rechnen. Und wenn es eintritt müsste man flexibel handeln können. Daher trainierte ich z.B. auch Nährstoffengpässe und versuchte mich auf alles einzustellen. Physiologisches und metales Training waren notwendig. Ich trainierte z.B. auch Entspannungsverfahren um möglichst schnell einschlafen zu können und Aktivierungsmethoden um wach zu werden bzw. um mich zu fokussieren.

Die Vorbereitungen für den Rheinrekord 2017 im Kanu umfassten also deutlich mehr als “nur” das Paddeln.

I. Die Vorbereitung. Den Stein ins Rollen gebracht –

Im nächsten Teil erfahrt Ihr mehr über die unmittelbaren Vorbereitungen: Die letzten Tage vor dem Start. Rheinrekord Kanu 2017 – Die Vorbereitung II

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