Weltrekord im Kanu auf dem Rhein 2017

Thorsten Bartzok knackt Weltrekord- 6 Tage 11 Stunden und 34 Minuten- schnellste Befahrung des im Kanu auf dem Rhein.

1161 Kilometer flussabwärts von Chur in der Schweiz bis zur Mündung des Rheins in die Nordsee in Hoek van Holland in den Niederlanden ist Thorsten Bartzok aus Essen mit dem Kanu im August gepaddelt. Als Rekordjäger ist er in der Schweiz gestartet und hat fast eine Woche – bis auf wenige Stunden Schlaf – in seinem Boot verbracht. Als neuer Weltrekordler ist er nach 6 Tagen, 11 Stunden und 34 Minuten in Hoek van Holland angekommen.

Carsten Bartzok (links) und Weltrekordler Thorsten Bartzok (rechts)

Der Rekord von 2013 galt eigentlich als in Stein gemeißelt. „In 6 Tagen, 12 Stunden und 53 Minuten hat Martin Möllmann am 01. Juni 2013 den Rekord aufgestellt“, berichtet Thorsten Bartzok. „Sein Rheinrekord wurde bei einem sehr hohen Wasserstand gefahren, ich hatte jetzt Niedrigwasser, bin an manchen Stellen sogar auf Kiesbänke aufgelaufen.“ Trotzdem hat es geklappt und der 30-Jährige ist neuer Rhein-Weltrekordhalter. Auch wenn das Guinness-Buch keine Flussrekorde mehr aufnimmt, seine Weltbestleistung lässt sich Bartzok nicht mehr nehmen und hat auf der Sechs-Tages-Tour viel über sich und den menschlichen Körper gelernt und viele bleibende Erinnerungen geschaffen. „Das war das krasseste, was ich je gemacht habe“, sagt er rückblickend.

Sorgen haben ihn während der zweijährigen Vorbereitung, die aus Krafttraining, Radfahren, Joggen und natürlich viel Paddeln auf seinem Heimatgewässer, der schönen Ruhr, vor allem die zu erwartenden Schmerzen gemacht. „Das gehört nun mal dazu, ist aber im Vorfeld schwer kalkulierbar“, sagte er vor Reiseantritt.

Das war das Ziel beim Weltrekord

Das Ziel war, die Tagesetappen, die Möllmann mit Strecken von teilweise bis zu 200 Kilometer erfahren hatte, mit seinem Kajak, dass er passend „Rekordjäger“ getauft hatte, zu überbieten. Das ist vom ersten Tag an geglückt. „Ich habe auf der ersten Etappe einen Zehn-Kilometer-Vorsprung herausgefahren“, berichtet er. Seine längste Etappe lag schließlich bei 202 Kilometern an einem Tag. „Da saß ich aber auch über 20 Stunden im Kajak“, erinnert er sich. Die längste Etappe wiederrum dauerte fast 23 Stunden. „Hier war ich wirklich über mein Limit hinausgefahren und es wurde kritisch“. Die Begleiter und auch Thorsten Bartzok waren froh als diese Etappe geschafft war.

Der Bodensee war etwas ganz besonderes

Gratulation zum Rheinrekord 2017

Die Durchquerung des Bodensees war neben vielen anderen Erlebnissen eines, das ihm besonders in Erinnerung geblieben ist: „Der Bodensee war spitze. Der Alpenrhein ist eisig kalt und wenn man dann in den Bodensee fährt, wird das Wasser türkisblau und warm. Die hohen Wellen, der Gegenwind und der Regen auf dem Bodensee waren kräftezehrend, trotzdem hat es total viel Spaß gemacht. Ebenso die Wellen und Kurven an der Loreley. Sehr schön war es nachts durch das beleuchtete Basel zu paddeln. Eine richtig dicke Gänsehaut habe ich bekommen, als ich bei Remagen realisiert habe, dass zwei Menschen am Ufer auf mich gewartet und mich angefeuert haben. Sie hatten im Internet von meinem Rekord gelesen und haben mit Campingstühlen am Ufer gewartet. Unglaublich!“

Einzelkämpfer mit Teamunterstützung

Begleitet wurde Thorsten Bartzok von seinen Eltern im Wohnmobil. „Wir standen per Telefon in Kontakt und über den Live-Tracker hatte ich einen SOS-Knopf, der sofort einen Notruf an die Rettungsleitstelle gesendet hätte. Sicherheit war das A und O“, fasst er zusammen.

Das Team um den Weltrekord. Carsten, Uwe, Thorsten und Rosi Bartzok (von links nach rechts).

Mit mehrfach defekten Steuer, wenig Schlaf (meist nur zwei bis drei Stunden), geschwollenen Händen, Schmerzen in den Schultern und, und, und musste sich Bartzok zum Weltrekord treiben. Selbstmotivation war sein Begleiter, auf der letzten Etappe auch noch Bruder Carsten. „Ohne ihn wäre das nichts geworden“, gibt Bartzok zu. „Ich weiß nicht, wie ich mich selbst immer wieder angetrieben habe, aber am Ende war ich platt und froh die letzten 150 Kilometer nicht alleine zu sein, das hat viel ausgemacht. Zumal wir die letzten fünf Stunden Vollgas geben mussten um den Vorsprung halten zu können und im unteren Abschnitt nicht in die Flut zu gelangen.“

Glück und Leid beim Weltrekord im Kanu auf dem Rhein liegen nah beieinander

Die Schmerzen waren am Ende ganz andere als befürchtet. „Hintern und Steiß taten gar nicht weh, dafür hatte ich die geschwollenen Hände sowie Schulter- und Armschmerzen so nicht auf dem Schirm.“ In den ersten Nächten habe er kaum schlafen können. „Der stetige Wellengang hat dafür gesorgt das ich auch am Land schwankte und mir schwindelig wurde. Aber: „Medikamente waren nie eine Option!“, unterstreicht er. „Wenn ich mir das antue, dann mit allem, was dazu gehört.“

Würde er denn noch mal den Rhein erpaddeln? „Ich glaube schon“, schmunzelt er. Denn: „Selbst wenn es extrem belastend war, war es doch eines meiner schönsten und intensivsten Erlebnisse.“

Eine Wiederholung ist aber erst einmal nicht das Ziel des jungen Sportlers, der bereits fast zwei Jahrzehnte im Kajak die Wasserwelt erobert. „Es gibt ja noch andere Flüsse und Rekorde. Die Weser oder der 24 Stunden Rekord wäre zum Beispiel eine Herausforderung.“

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